Flexible Wartung in Krisenzeiten (Teil 2)

Instandhaltungspersonal intelligent einsetzen

Denn wenn wichtige Maschinendaten wie Temperaturen, Schwingungen oder Zykluszeiten sensorisch erfasst und idealerweise sogar in einer Cloud vorgehalten und analysiert werden, dann muss der Mitarbeiter den Anlagenzustand nicht an der Maschine ablesen, sondern er kann ihn sich am PC im Büro oder sogar am Laptop im Homeoffice genau ansehen. Social Distancing wird damit erheblich erleichtert, und sogar die häusliche Quarantäne eines Urlaubsrückkehrers wird für den Betrieb nicht zum Totalausfall.

Im technischen Service für Kunden-Anlagen kommen die Vorteile einer mobilen Auftragsbearbeitung in der momentanen Krisensituation besonders zum Tragen. Da die Techniker ihre Aufträge auf ihr mobiles Endgerät erhalten, müssen sie nicht in die Zentrale, um dort wie bisher die Auftragspapiere abzuholen. Sie fahren direkt zum Kunden und vermeiden unnötigen Kontakt zu Kollegen.

Noch besser klappt die Planung, wenn man nicht nur Condition Monitoring betreibt, sondern vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance). Da aus den laufend ermittelten Zustandsdaten mit maschinendiagnostischen Methoden die Lebensdauer relevanter Bauteile und somit der zu erwartende Zeitpunkt eines Ausfalls berechnet wird, können Wartungstermine mit ausreichend Vorlauf geplant werden. Alle Ersatzteile und Hilfsmittel sind rechtzeitig beschafft und das Personal ist nicht mit unnötigen Routinewartungen beschäftigt. Es kann flexibler auf Unvorhergesehenes reagieren – oder die Produktionsstraße für neue Produkte fit machen.

Wissensmanagement ist Trumpf

Natürlich lässt sich Corona-gerechte Personalplanung umso leichter realisieren, je früher man über notwendige Instandsetzungsmaßnahmen und Stillstandszeiten Bescheid weiß. Doch was tun, wenn alles Personalmanagement nicht mehr hilft, weil der wichtigste Experte doch erkrankt ist (oder einfach nur den Arbeitgeber gewechselt hat)? Was, wenn in dieser Situation ein Problem auftritt? Die Condition-Monitoring-Daten aufs Handy des Chefs nützen da oft wenig.

Hilfreicher ist ein strukturiertes Wissensmanagement mit gut dokumentierten Produktions- und Instandhaltungsprozessen. In Kombination mit den aktuellen Zustandsdaten der Anlagen und einer intelligenten Analyse können KI-basierte Assistenzsysteme Vorschläge zur Problembehebung anbieten. Zudem ist relevantes Detailwissen über digitale Kanäle für andere Mitarbeiter oder externe Dienstleister vorhanden.

Wenn zudem noch eine Übersicht über all jene Instandhaltungsmaßnahmen vorliegt, die immer dann durchgeführt werden können, wenn Anlagen mal kurz stehen, lässt sich durch cleveres Wissensmanagement sogar Zeit und Geld sparen.

Corona treibt auch die Instandhaltungsbranche an

Auch wenn Politik und Medien es meist nicht so eindeutig formulieren: Die Funktionsfähigkeit der industriellen Produktion ist Voraussetzung für den Erhalt unseres Wohlstands. Egal, was Corona noch bringen wird, auch zukünftig wird eine zuverlässige Produktion dank hoher Anlagenverfügbarkeit oberste Priorität haben.

Die Instandhalter, die manch einer als die Jungs aus der schmutzigen Werkstatt neben der Werkhalle sieht, können sich in diesem Kontext dank mobiler Endgeräte, Augmented Reality oder Künstlicher Intelligenz sogar als Vorreiter der Digitalisierung präsentieren. Und das hilft nicht nur den Betrieben, sondern auch bei der Nachwuchswerbung.

 
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